Geschichte Neuberg

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Ansichtskarte aus den 30'er JahrenDie ersten Anzeichen einer Besiedelung der Gegend des heutigen Neuberg finden wir schon sehr früh.

Obwohl genaue Aufzeichnungen fehlen, lässt sich doch aus den sogenannten "tumuli" (Hügelgräber), die vermutlich aus der älteren Bronzezeit (1550 bis 1100 v. Chr.) stammen, sowie aus dem keltischen Münzfund in Güttenbach auf eine Besiedlung in dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit schließen.

Erst seit Vera Zimányi die Urbare der Herrschaft Güssing des 16. Jahrhunderts analysierte, ist es für die Wissenschaft klar, dass die Anfänge von Neuberg nicht im Dunkeln liegen. Die Fachleute sind sich einig, dass es sich bei Neuberg um eine kroatische Neugründung des 16. Jahrhunderts handelt.

Die kroatischen Ansiedler von Neuberg kamen wahrscheinlich mit der zweiten und größten Umsiedlungswelle, die bereits im Jahre 1533 in Bewegung kam. Im Jahre 1576 wird die Neuansiedlung Nowaghora (= Neuberg) erstmals urkundlich erwähnt. Laut dieser Urbare (= Grundsteuerbuch) der Güssinger Herrschaft lebten 1576 in Neuberg 67 Lehensbauern und 350 Bewohner, alle Kroaten.

Die Grundherren verliehen ihren Lehensbauern Sessionen (= Lehngüter), für deren Nutzung sie dem Grundherrn bestimmte Arbeits- und Sachleistungen als Entgelt zu erbringen hatten. Der größte Teil dieser Robotarbeiten wurde von den Bewohnern des Dorfes auf den herrschaftseigenen Feldern der Familie Batthyány abgeleistet, die vor allem in Güssing, Stegersbach, Neuberg, Tschantschendorf und Heiligenbrunn lagen.

Neuberger Arbeitspartie, Bruck-Neudorf - 1934In der Kriegsnot des Jahres 1670 wurde das Dorf Neuberg von Christoph Batthyány an die adelige Frau Katharina Kisfaludy um 4.000 ungarische Gulden verpfändet. Im Besitz der Familie Lengyel blieb Neuberg 72 Jahre lang, bis es im Jahre 1742 von Graf Ludwig Batthyány um 5.000 rheinische Gulden wieder eingelöst wurde.

Die Gemeinden der Güssinger Herrschaft wurden von einem bestellten Richter verwaltet, der auch Recht sprach. Seine Funktion war die eines heutigen Bürgermeisters. Unter Graf Ludwig Batthyány waren im Jahre 1750 Paul Czvitkovich Richter, Ive Bohetich, Jure Kollovich, Ive Tarich und Christian Kovács Geschworene. Damals gab es folgende Familien: Radostich (7), Kollovich (7), Czvitkovich (5), Kovács (5), Novasel (5), Bohetich (4), Ifkovich (3), Gergics (2), Mercsanich (2), Tarich, Tobsich, Hansich und Groff (je 1 Familie).

"Alte" Volksschule von Neuberg, ca. 1962Im Pfarrarchiv findet man eine Urkunde, aus der ersichtlich ist, daß im Jahre 1832 in Neuberg die erste Schule errichtet wurde. Der erste Lehrer war Franz Svetics aus Stegersbach, der über 100 Schüler in kroatischer Sprache unterrichtete.

Im Jahre 1867 erfolgte der Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn. Dadurch wurde zwar der innere Frieden hergestellt, es folgte aber eine Unterdrückung der Minderheiten in Ungarn (Deutsche, Kroaten). Amts- und Unterrichtssprache wurde Ungarisch. Wer es zu etwas bringen wollte, musste ungarisch reden und seinen Namen madjarisieren lassen. Diesen Bestrebungen widersetzten sich die Bauern stärker als die damalige gesellschaftliche Oberschicht (Verwalter, Pfarrer, Lehrer, etc.).

Zwischen den beiden Weltkriegen

MiNeuberger Amerikaauswanderert der Zerschlagung der Monarchie und dem Ende des Ersten Weltkrieges, in dem 36 Männer aus Neuberg ihr Leben lassen mussten, begann für Neuberg ein völlig neuer Abschnitt seiner Geschichte. Wegen der bisherigen starken Unterdrückung des Kroatischen und Betonung des Ungarischen neigten auch die Neuberger zu Österreich, und die meisten begrüßten es, als 1921 Burgenland zu Österreich kam.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine große Auswanderungswelle nach Amerika ein. Die erste große Auswanderungswelle setzte etwa 1905 ein. Bis 1939 wanderten Neuberger Arbeitspartie - Alt Höflein, 1937nicht weniger als 462 Personen von Neuberg nach Amerika aus. Begehrte Ziele in den Vereinigten Staaten und in Kanada waren die Städte Chicago, New York, Toronto und Edmonton.

Bei den Auswanderern handelte es sich vor allem um arbeitslose Saisonarbeiter, die früher in großen Gruppen (Partien) Arbeit auf den Gutshöfen im Norden, vor allem in Niederösterreich, fanden.

Durch die Modernisierung der landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen hatten viele ihren Arbeitsplatz verloren, und wenige von ihnen hatten genügend Grund und Boden in Neuberg, um ihre Familie ernähren zu können.

Anschluss an das Deutsche Reich und der II. Weltkrieg

Blasmusikkapelle (Zwischenkriegszeit)Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 wurde das Burgenland aufgelöst und auf die Gaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilt. Die Neuberger wurden so zu Steirern, die zum Kreis Fürstenfeld gehörten.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 kam der Totalitätsanspruch auf die Jugenderziehung noch stärker zum Tragen. Durch die Einstellung nur deutschsprachiger Lehrer wollte man auch die Germanisierung der Bevölkerung erzwingen. Der Entgegensteuerung dieses Trends von Seiten der Lehrer und Tamburizzagruppe 1938Geistlichen begegneten NS-Funktionäre mit Bestrafungen, die von Predigtverbot und Strafverfolgung bis hin zur Einlieferung in das KZ Dachau reichten (wie bei Ortspfarrer Semeliker).

Im Frühjahr 1945 gab es die ersten Bombenangriffe auf Neuberg. Obwohl bei einem Bombenangriff durch amerikanische Flieger rund 60 Bomben auf Neuberg abgeworfen wurden, gab es glücklicherweise keine Toten zu beklagen.

Im folgenden wurde die Front in Etappen immer mehr zurückgenommen, bis sie am 7. April 1945 auf dem Pepi Radostic, 1944Neuberger Hotter verlief. Einen Tag später, am 8. April 1945, kam es zum ersten Aufeinandertreffen mit der russischen Armee. Während des Kampfgeschehens wurden fünf Deutsche und ein Russe getötet, die auf dem Ortsfriedhof bestattet wurden.

In der Nacht vom 11. zum 12. April 1945 zerstörten die Deutschen das Telefon und zogen ab. Am 12. April 1945 zogen die Russen in Neuberg ein. Aufgrund der kroatischen Muttersprache der Neuberger und der Sprachverwandtschaft zur russischen Sprache war die Verständigung mit ihnen recht gut. Die Neuberger wurden von den Russen als "narod karose" (Brudervolk) bezeichnet. Die russischen Besatzungssoldaten blieben bis 1946 in Neuberg.

Im Laufe des II. Weltkrieges wurden rund 350 Männer aus Neuberg zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. 51 von ihnen starben an der Front, 23 gelten als vermisst.

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